Wir fressen die Bilder, kotzen sie aus und fressen erneut. Bilder machen süchtig. Ikonophagie oder, wen das Wortungetüm nicht schreckt, Ikonokannibalismus. Daher Texte, grau und abstrakt, als Gegenmaßnahme, aus Notwehr, und bestimmt nicht Konkrete Poesie (Apfel, Apfel, Wurm). Die Gesellschaft hat sich abgefüllt mit Bildern, sie kann jetzt mal fasten gehen. Irgendwelche Videos gingen vor kurzem noch „viral“ – wer sagt sowas jetzt noch? Ich sehe abends Serien, da ich Spätzünder bin, aber wie lange halte ich das noch aus? Lieber grauschwarze Buchstabenkolonnen, streng und aufgereiht, unbewegt und unbeweglich, starr und ausdruckslos, unbeteiligt, hingestellt wie Zinnsoldaten. Wer liest, erweckt Tote zum Leben. Buchstabentexturen sind hochabstrakt, Lesen und Schreiben (besser umgekehrt) sind Hexenkunst. Wir bekommen einen Bildersturm, fürchte ich.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.