Es ließe sich fragen, ob sich die Schriftsprachlichkeit erschöpft hat. Ein paar tausend Jahre lang hat sie das Denken an sich gerissen und dominiert. Nun ist alles bedacht und gesagt, läßt sich nachlesen oder in einer Zusammenfassung zur Kenntnis nehmen. Kant sagte, Hegel formulierte, dieses, jenes. Schlagwortwissen reicht aus, um im täglichen Leben mithalten zu können.
Wozu noch einmal über alle Zeilen eines Buches klettern und hangeln, dabei die eine Hälfte gar nicht verstehend, die andere so lala. Nietzsche ist der mit dem Übermenschen, Freud mit dem Unbewußten, Marx stiftete den Marxismus. Goethes Leben als Graphic Novel.
Lohnt es sich noch, in die Tiefe zu gehen und jedem informationstragenden Wort Bedeutsamkeit beizumessen? Wer hat noch Zeit für solches Verschwinden aus der gegenwärtigen Wirklichkeit? Es geschieht doch viel, da muß man dabei sein. Erleben ist alles. Leben versteckt sich nicht in Büchern.
Bilder sind leichter aufzunehmen, man kann sie konsumieren. Was du siehst, ist das, was du bekommst. Ganz anders beim Buch. Da siehst du eine mit kleinen Zeichen bedruckte Seite, die mußt du lesen, Wort für Wort. Erst dann weißt du, was du bekommst. Das ist mühsam. Man muß geben, um zu bekommen. Da wir überanstrengt sind (wodurch eigentlich?), sehen wir lieber Filme. Sie sind das (oftmals aufwendig produzierte) Fertiggericht.
Wenn scheinbar alles gesagt ist, verbindet sich damit die Hoffnung, daß noch nicht alles gezeigt ist. Jeder Tag ist neu und schafft wie von selbst seine Bilder. Das Neue erregt das Aufsehen, das Alte muß sich anders durchschlagen. Vielleicht wird es noch gebraucht, einstweilen liegt es herum und fängt Staub.
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