Unter dem Baum im Schatten

Zeit fließt, heißt es. Aber wohin – in welchem großen Becken sammeln sich die schwimmenden Zeitstücke? Vergangenheit heißt es, ein Ozean darin, falls solche Metaphern helfen. Kann Zeit verloren gehen, kann sie zurückkehren? Lineare und zirkuläre Vorstellungen, Fortschritt oder Ewige Wiederkehr. Zeit ist Veränderung und Wechsel. Niemand kann die Nacht verhindern, die Nacht nicht den Tag. Während man lebt, denkt man ans Altern. Aber das Alter ist nicht aufzuhalten, die Jugend nicht zu halten. Aber wer ist das Alter, ist das jemand, den man kennt? Jugend kenne ich, die hatte ich bereits. Sich der Zeit entgegenstellen zu wollen, ist verrückt. Lieber ein Boot auf ihr sein oder ein ausdauernder Schwimmer, zwischendurch vergessen, was ihn trägt. Die Ufer bestaunen, ab und an haltmachen und aussteigen. Vor Jahren lebte ich in der Zeitlosigkeit meiner Dreißiger, saß im Schatten unter dem Baum und schrieb. Den Baum haben sie umgehauen, jetzt sitze ich im Haus und schreibe immer noch. Das beruhigt mich.


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