Highway to Hell

Seit ich ein Kind bin, fürchte ich den Sieg des Todes zu Lebzeiten. Zeit zu leben, Zeit zu sterben, ja. Aber der Tod erhält unberechtigt Raum, wenn Pflanzen und Tiere gemordet werden, die zu schützen dem Menschen aufgetragen wäre. Sie begradigten Straßen und Flüsse, fällten die Alleebäume, spritzen Vernichtungschemikalien auf die Äcker. Wer Bilder zu diesen Massakern sucht, sehe sich Grün kaputt von Dieter Wieland aus dem Jahr 1983 an, ein Filmpamphlet aus Notwehr. Damals wurden Die Grünen gegründet, man warf ihnen vor, sie seien gar keine richtige Partei, sondern eine Bewegung. Heute sind sie eine richtige Partei, aber keine Bewegung mehr. Horst Stern zeigte damals dem entsetzten deutschen Fernsehpublikum, was unter „Tierversuche“ zu verstehen ist. Ich bin 1964 geboren worden, meine Zukunft war damals bereits der Tod – ich sollte Zeuge des Zurückdrängens und Mordens sein. Darauf hatte sich das Wohlstandsestablishment der Bundesrepublik Deutschland geeinigt. Das Artensterben hat seitdem dramatisch zugenommen, die Flächenversiegelung geht ungebremst weiter, ebenso Ressourcenverschwendung und Raubbau. Damals sprach man noch nicht von Globalisierung, aber der berühmte Bericht an den amerikanischen Präsidenten trug bereits den Titel Global 2000. Seitdem hat es Umweltschutz gegeben, die Flüsse sind sauberer geworden (damals stanken sie wie Kloaken), die wilden Müllkippen in Feld und Wald sind verschwunden. Es fahren erheblich mehr Kraftfahrzeuge auf den Straßen, der Energieverbrauch ist seitdem weiter gestiegen, der Konsumismus funktioniert ungebremst und gilt als systemrelevant. Die jüngste Erwachsenengeneration erhebt erneut ihr Wort und fordert eine Zukunft diesseits des Todes vor der Zeit.


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