Manchmal ist mir, als redete eine Mehrheit noch nach alter Gewohnheit und gutem Brauch. Äußerlich scheint alles in Ordnung. Nach vorn wird den eingeführten und bewährten Gottheiten von Aufklärung, Vernunft und Fortschritt gehuldigt, nach hinten jedoch Ausschau gehalten nach besserer Zusicherung und festerem Halt. Die Zukunft reitet in die Gegenwart apokalyptisch. Längst bilden sich Sekten. Offenbarungen werden ersehnt und geschaffen; ein Weniges reicht, die Dürstenden und Hungernden zu stillen. Sie marschieren, solange der Zauber der Versprechungen währt. Die Wahrheit. Man braucht jetzt einen anderen Blick, um die Verhältnisse in ein Bild zu setzen; der Rahmen ist größer geworden, das Irrationale ist fordernd und raumgreifend zurück. Noch tarnt es sich im Flittergewand sogenannter Fakten, doch sein Ziel ist höherer Natur. Wahnsinn und Irrsinn sollen kenntlich und kleinteilig zurück in die Wirklichkeit, um den vernünftigen Wahnsinn der wahnsinnig Vernünftigen zu neutralisieren. Ein Höllenfahrtskommando, versteht sich, ersonnen nicht von einem einzigen Gott, sondern von den Gesetzen des Werdens und Vergehens. Besser kann ich das zu diesem Augenblick nicht formulieren. Ich muß dauernd vorlieb nehmen, das frustriert mich, aber es lehrt mich auch Vorsicht, Zurückhaltung, meinetwegen Demut. Aufgeladene Begriffe, wir hantieren mit metaphorischem Sprengstoff. Wörter sind schlimmer als Waffen, jeder weiß das.
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