Raus da

Was ist das Schlimme an den Mißtrauischen? Es ist nicht der Teil, der sie selbst betrifft, nur jener, der dem anderen zugewandt ist. Es kann nämlich sein, daß jener andere dieses Mißtrauen für angebracht erachtet, selbst bereits zweifelte, sich seinerseits nun außerstande sieht, das Erwünschte und Erstrebte zu schaffen – bestätigt in seiner Entmutigung, der Neigung, sich selbst zu entkräften. Er hätte Zuspruch gebraucht und, mehr noch als Zuspruch, Vertrauen. Ja, so ist es.

Was ist das Gute an den Mißtrauischen? Daß sie ab und an ein sich anbahnendes Verhängnis, das auf Vertrauensseligkeit beruhte, unterbinden helfen. Darin liegt der Sinn des Mißtrauens. Mißtrauen und Vertrauen in sich selbst abzustimmen ist ein sinnvolles Vorhaben. Die großen und unverbindlichen Versprechungen zu durchschauen ist nicht das Problem. Es wird viel versprochen, wenig gehalten – so ist es nun einmal.

Die tiefste Wunde ist geschlagen, wenn jemand nie mehr vertrauen kann – nichts und niemandem. Dann beginnt der Einzelkampf, droht Isolation. Die Welt wird eisig, die Wände rücken nah. Zeit für eine Befreiungsaktion.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Raus da

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert