Der Besuch

Wir hatten uns Jahre nicht gesehen, sie wohnte nun woanders. Bei dem Gebäude mußte es sich um eine ehemalige Lagerhalle handeln oder einen ausgedienten Flugzeughangar. Ins Innere war eine gewaltige Holzkonstruktion gesetzt, in die unregelmäßig Wohnebenen eingehängt waren. Die einzelnen Räume ähnelten weniger Zimmern, ließen eher an Waben denken. Sie, die ich besuchen kam, wohnte ganz oben – ihre Wohnzelle war nur über Strickleitern und hölzerne Hängebrücken zu erreichen. Ein Gewirr von Seilen, Trittbrettern und über den Abgrund gelegten Eichenbohlen gab der Konstruktion etwas Gefährliches und Abenteuerliches. Als steige man auf zu den neuen Einsiedlermönchen – denn die alten waren doch längst verschwunden. Endlich war ich oben. Da bot sich mir ein buntes Bild: überall lagen Matratzen, Decken und Teppiche herum, auch afghanische Sitzkissen; Tee- und Serviertischchen standen längs des gewundenen Bohlenwegs, in die seitlichen Nischen waren bequeme Kojen eingelassen, einige von ihnen mit bunten Seidentüchern oder sandfarbenen Planen versehen. Sei willkommen, ich habe dich erwartet! sprach sie. Ich nickte stumm.


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