Da ich leicht zu rühren bin, rührt mich auch dies: daß die deutsche Sprach- und Kulturnation nach Jahrhunderten, vielleicht sogar Jahrtausenden, nun zur Kenntnis nimmt, daß es nicht nur ein, sondern zwei Geschlechter gibt. Tatsächlich und wirklich kann ihr das nicht entgangen sein, sonst gäbe es uns nicht. Aber sprachlich wurde unendlich lange so getan, als seien die Mädchen und Frauen stets nur das Mitgemeinte, niemals das Erstgemeinte – das Eigentliche möglicherweise. Ich bin Lehrer, sagen die Lehrerinnen im Osten, im Osten Deutschlands, im Osten Berlins. Sie stört das nicht, sie wissen, daß sie keine Männer sind. Andere Ohren sind empfindlicher. Sie fordern die weibliche Notation in jeder nichtgeschlechtsspezifischen Gruppenbezeichnung und erkennen darin eine Mission. Welche Mission? Uns davon zu überzeugen, daß es Frauen gibt, und zwar überall. Nach althergebrachter Auffassung ist das generische Maskulinum („die Zuschauer“) eine Gebrauchsgewohnheit, derzufolge die männliche Form verallgemeinernd auch die weiblichen Teilnehmerinnen enthält. Verteidiger dieser Gebrauchsgewohnheit führen ins Feld, daß „die Zuschauer“ semantisch doppelt kodiert ist und deshalb keineswegs eindeutig bedeutet, daß damit männliche Zuschauer gemeint sind. Genauso wenig wie alle Pluralbildungen, die im Nominativ stets mit „die“ beginnen, implizieren, daß weibliche Akteure gemeint sind. Mich rührt, daß wir in solchen Sachen herumstochern, um zueinanderzufinden, fern wie wir uns sein mögen, nahe wie nie, in dieser sprachmoralischen Zeit des Sonstwiezeitalters.
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