Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – auch dieser Satz hallt aus der Kindheit nach. Ich wußte, da ich klein war, nichts Rechtes damit anzufangen. Immerhin hatte auch ich schon ein paar Angewohnheiten, ziemlich schlechte, wie mir schien. Ich machte noch ins Bett, konnte nachts nicht einschlafen und warf meinen Kopf auf dem Kopfkissen hin und her und hatte dafür eigens ein Verb erfunden. Denn meine Mutter fragte, was das eigentlich sei. Und ich antwortete ihr: Ich waule. Beim Waulen dreht man den Kopf im Liegen nach links und nach rechts, immer hin und her, und hmmt dazu. Das Verb hmmen erfinde ich jetzt, da ich zu beschreiben versuche, wie es damals geklungen hat, als ich noch waulte. Vermutlich eine Form der Jaktation, eine jactatio capitis, wie sie beim Hospitalismus anzutreffen ist. Wackeln und Wiegen beruhigen und versetzen den Betroffenen in eine Art Trance. Als ich ein wenig älter war, konnte ich mein Waulen mit Visionen und Filmszenen versehen, in denen ich der Held war. Es war eine Technik der Selbstheilung.
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