Versionen, Variationen, Visionen

Nicht selten, also oft genug geraten die Instanzen in mir durcheinander. Ich müßte viel mehr Namen haben, um die Stimmen abzubilden und zu würdigen, die gehört zu werden verdienen. Wenn über diesen Seiten ein Name steht, dann ist das einerseits richtig, andererseits irreführend. Ich bin auch Stimme für Ungehörtes und Unbenanntes. „Ich“ habe hier eigentlich gar nichts zu verkünden oder zu vertreten, bin nicht allein autorisiert, eher Herausgeber. In mir die Stimmen fluten auf und ebben ab. Manchmal gibt es eine betrachtende Mitte, die lässig und unbefleckt was sagt. Ohne Blut im Lätzchen, abgeklärt und sicher. Das wäre dann wohl das vorzeigbare Ich. Interessiert mich gar nicht. Macht schon Mühe genug, es tagsüber vor mir her zu tragen und auszufüllen. Künstlerisch und literarisch führt das nicht weit. Das tägliche Ich ist auf Ausgleich und Wirksamkeit aus, das nächtliche öffnet die Tenne dem Tanz der Verrückten und Entzückten. Ein guter Teil von mir ist ALLES, und er kennt keine Scheu. Ein Gefäß sein des Denk- und Vorstellbaren, es herausnehmen und darstellen. Damit es da ist, damit es gesehen wird, damit es lebt. (Denn das Moralische quetscht an die Wand und vernichtet.)


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