Es gibt gute und weniger gute Tage. Manchmal fällt es schwer, nur einen einzigen von ihnen zu überstehen – dann kommen leichtere, hellere. Wie sehr die schweren von ihnen lasteten, merkt man erst, wenn die leichteren an der Reihe sind. Leben vollzieht sich, bei mir jedenfalls, in ruckhaften Bewegungen. Mal nimmt es Tempo auf und reicht schon fast an Schönheit und Eleganz – und schon mündet es in die nächste Stockung und steckt im dichten Stau. Das alles „innerlicherseits“, um Gerhard Falkner zu bemühen. Äußerlich läßt sich noch manch anderes sagen, aber nicht heute, nicht jetzt. Dazu schreit eine Krähe. Irgendwas ist wieder los da draußen in der freien Wildbahn. Vielleicht kreist der Bussard über dem Geviert, vielleicht hat sich eine Artgenossin aus dem Nachbarschwarm ins Revier gemogelt. Nichts bleibt unbemerkt bei den „schwarzen Agenten“ (Götz Bergmann). „Geduld“ steht auf dem Diagonalweg zwischen den Wohncontainern für Asylanten und dem Ausgang zum Tempelhofer Damm, mit weißer Farbe in Schreibschrift auf den Asphalt gebracht. An anderer Stelle, auf der nördlichen Landebahn, steht die Frage „Wer sind wir?“ Das läßt sich doch beantworten. Wir sind die bislang letzte Garnitur Mensch im Ringen dieser Spezies um die Vorherrschaft auf dem Planeten Erde, haben wenig Geduld und möchten am liebsten morgen haben, was erst übermorgen eintreffen kann. Insofern ähneln wir Kindern, die Weihnachten nicht abwarten können oder ihren schönen Geburtstag.
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