Das Wall-Toilettenhäuschen auf der Schillerpromenade leuchtet nachts wie ein kleiner kubischer Tempel mit Platz für zwei Gebete für die Dauer des Bedarfs. Es ist jener Moment, in dem Andacht auch solchen möglich ist, die sonst nicht in sich gehen wollen. Verletzlichkeit. Wir verlassen das Terrain und schwenken mit dem Kamerablick an dem vorgelagerten Tempelchen seitwärts vorbei auf die eigentliche Kirche, das backsteinerne Hauptgebäude. Sofort fällt auf, daß der Kirchturm gekappt wurde. Einflugschneise Flugverkehr, Flughafen Tempelhof. Man müßte sammeln, daß sie ihren Turm in voller Höhe zurückbekommt, schon aus Gründen des Anstands. Immerhin treffen sich auf den Stufen der Nebeneingänge Müßige und Trinkfreudige und feiern das, was vom Leben übrig geblieben ist. Das hat mit Geschmack zu tun.
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