Solche Sieglosigkeit interessiert mich. Wie ist sie möglich, was erschafft sie, wofür steht sie? Fußball ist kein Glückspiel. Aber fehlt das Glück dort, wo es gebraucht wird, fühlt man sich abgewertet, eigentlich schon entwertet. Im Leistungssport stehen die Dinge oft Spitz auf Knopf (Redewendung aus dem Fechtsport). Kleinste Zufälligkeiten entscheiden ein Spiel, ihre Summe kann den Sieg ergeben. Daher der Aberglaube der Spieler, ihre Rasentätscheleien, die Fingerzeige nach oben über das Stadiondach hinaus, die Bekreuzigungen. Auch manche Tätowierungen zählen hinzu, Talismane, selbstauferlegte Regeln. Stell den Wagen nie auf einer Parkbucht mit gerader Zahl ab – solche Sachen. Gerät aber eine ganze Mannschaft in einen Strudel aus Mißgeschick und Ausweglosigkeit, verliert sie ihren Glauben. Wir dürfen nicht vergessen: Fußball ist Krieg (mit friedlichen Mitteln). Es geht um Sein oder Nichtsein. Spieltag für Spieltag. Nichts daran ist lustig oder belächelnswert, auch wenn es auf den ersten Blick „nur Fußball“ ist. Der erste Blick täuscht. Für einen Verein auf der langen, abschüssigen Straße nach unten geht es um den Klassenerhalt, das Rangabzeichen ERSTE Liga. Wer will schon zweite Liga sein? Nun, die aus der dritten, die wollen das. Die Männer, die dort unten auf dem Rasen spielen und alles geben, sind im besten Kampfesalter. Da will man sich messen, da fließen Schweiß und Blut. Keiner der Schaukämpfer (Gladiatoren) schläft heute nacht in Gelsenkirchen gut.
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