Station U7

Kurz nach neun, Medikamentenausgabe in der U-Bahnstation Yorckstraße. Die Patienten sind eingetrudelt und halten sich bereit. Einer hockt im Schneidersitz auf dem Estrich und wippt nach vorn, nach hinten, ein anderer rollt die Alufolie aus. Zwischen Fahrstuhlschacht und Kiosk kann niemand sie einsehen, die Kameras filmen nur die Bahnsteige entlang. Außerdem wird gerade gebaut. Der Kiosk ist aufgegeben, steht seit mehr als einem Jahr leer. Wer will hier unten ernsthaft Geschäfte machen mit einem Kiosksortiment? Schon sind die Krankenpfleger da. Sie tragen Turnschuhe, sind schmal und jung, verhalten sich, als gingen sie Straßenköter füttern. – Blicke eifern ihnen entgegen. Ware gegen Geld. Umsonst ist der Tod. Und später dann Nachtruhe.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Station U7

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert