Schöne Aussichten, ein Ziel

Die erste Phase der Corona-Pandemie habe ich als Leben unter Wasser empfunden. Auch unsere Skizzen-Lesung via Zoom Anfang April. Gespenstisch. Ja, es war schön, die bekannten und geliebten Gesichter zu sehen, die Stimmen zu hören, zu wissen, daß sie da sind. Es war ein „Leben gewissermaßen“. Nun beginnt es erneut. Was nicht bedeutet, daß es zwischen Ende Mai und jetzt „normal“ verlief – ich meine: das Leben. Ich lief heute durch die Gegend und überlegte, wem ich sagen könnte, was für eine verdammte Scheiße das ist. Wie soll man denn da noch leben? Man soll ja gar nicht, antwortet Gottfried Benn aus völlig anderem Kontext. Während meines Spaziergangs, eigentlich ein Rundgang, eine Wanderung, eine Flugfeldumrundung, also während dieses Gehens im Nieselnebel oder Nebelniesel dachte ich an die statistisch Toten. Das sind Leute, wir sind Leute, die in Zahlenkolonnen enden. Todesursache: ___________ Wer noch lebt, trägt nichts ein. Wer tot ist, kann nichts eintragen. Das erledigt dann jemand, der noch lebt. Was wird bei mir dermaleinst stehen? Gut, wir werden sehen. Jetzt also erneut der Tauchgang, Kontakte noch weiter minimieren. Nehme von nichts noch was weg. Ich werde mich mit mir selbst vergnügen, habe bereits angefangen, mir E-Mails zu senden, von einer zur zweiten, zur dritten Adresse. Heteronyme erschaffen wie Fernando Pessoa.


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