Die Zeit fragt um, ob ihre Leser die ab Mittwoch geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Neuinfektionen befürworten oder ablehnen. Zwei Felder sind vorgesehen. Dame oder Tiger? Da kann ich nicht mitmachen. Ich bestehe ja nicht nur aus Vernunft. Ich befürworte nicht Maßnahmen, die mir schaden. Ich bin nicht gegen Maßnahmen, die helfen, Menschen zu schützen, sogar vor sich selbst. Der soziale Rückzug tat mir zuletzt gut, aber die Sache kann kippen. Ich gerate in Zustände, die ich registriere und notiere. Manchmal kommt Unsinn dabei heraus. Ich möchte, daß auch dieser Unsinn sichtbar wird. Noch einmal: ich bin nicht nur aus Vernunft gebaut. Wessen Vernunft übrigens? In meinem Geburtshoroskop steht sogar etwas von „entsetzlich unvernünftig“. In wilder Hoffnung habe ich bislang gelebt, und ich glaube ja an Wunder. Das ist das Kind in mir, und ich mache es nicht tot. Die Pro- und Kontra-Diskurse und sogenannten Debatten um unser derzeitiges Hauptproblem finde ich ungesund. Man soll da schnell und sicher auf die eine oder die andere Seite gezogen werden. Eine Art Block- und Lagerdenken hat sich herausgebildet, Festungsmentalität scheint gefragt zu sein. Ich mag so etwas nicht und spüre recht stark den Druck, der auf mich, auf jeden von uns ausgeübt wird. Wie in einem Krieg sollen wir eingeschworen werden. Das ist typisch menschlich, das wiederholt sich alle paar Jahrzehnte. Der Feind ist nicht zu lokalisieren. Man weiß stets nur, wo er gewesen ist – niemals, wo er sich derzeit befindet. Das irritiert. Ohne uns ist er verloren. Spielen wir also nicht sein Spiel. Insofern kann ich mit den Maßnahmen leben. Aber ich drücke bestimmt keinen Knopf.
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