Blütenblätter in ihrer Verfärbung. Ich müßte ein Maler werden und lange Jahre üben, ehe ich solche Farben auftragen könnte. Vermutlich würde ich scheitern. Immerhin hätte ich es versucht. Ich möchte nun beinahe jeden Tag aus dem Fenster photographieren, um die spärlichen Farben einzufangen (so sagt man), die Spätherbst und Winter uns lassen. Eine jede Jahreszeit in ihrer Schönheit – nicht abzubilden, sondern zu bemerken. Zeit für einen Spaziergang um den Schlachtensee wie letztes Jahr. Da gab es was zu sehen: Der schlanke alte Herr im Kamelhaarmantel, seiner Frau voraus, um den See schreitend. Ein Konsul, ein Senator, ein ehemaliger Würdenträger. Institutionell beglaubigt, mit Urkunden an den Wänden und Photographien gewichtiger Freunde auf dem Sideboard, Präsidenten und Preisträger. Jemand, der es gewohnt ist, Eindruck zu machen. Seine Frau, eine wie er in die Jahre gekommene Schönheit, folgt ihm um den See, beide sind sie unterwegs gegen den Uhrzeigersinn. Er reckt das Kinn, vielleicht haben sie sich kurz zuvor gestritten. Ein wenig ähnelt er Paul Newman in Road to Perdition. Ihr Haar ist blondiert, darauf hat sie, es ist ein wenig frisch, eine Pelzkappe gestülpt. Derart verbunden drehten sie eine Runde um den langen, schlanken See. Und ja, ich weiß nichts von ihnen und wünsche Gutes. Wer weiß, was sie in uns erkannten, sofern wir für ihr Auge etwas waren, das man nicht sogleich wieder vergißt.
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