Aufklärung – Klarheit – aufklaren – klären – ja: aufklären. Das war gut gedacht und wohlmeinend. Die Hoffnungen denkender und wie man sie nennt: großer Persönlichkeiten machten sich an diesem Begriff, der einen Vorgang beschreibt, fest. Klarheit bringen, Licht auch bringen – wo zuvor Dunkelheit herrschte. Sehen (messen) und erkennen, wie sich die Dinge (auch die Menschen) wirklich verhalten – wie es um sie steht. Ein Erziehungsprogramm schloß an, das bis in unsere Zeit reicht und nicht diffamiert zu werden verdient. Herauszufinden wie es wirklich ist, ist ein hehres (erhabenes, herausragendes) menschliches Ziel. Am besten beginnt man damit bei sich selbst. Die radikale Selbsterprobung schützt vor unangemessenen Erwartungen. Daß das Programm der Aufklärung vor mehr als zweihundert Jahren verkündet wurde, besagt zunächst wenig. Zweihundert Jahre sind gleichsam nichts im Prozeß der Menschwerdung und des erkennenden Zu-sich-selbst-Findens. Prozeß suggeriert ein Vorwärtsschreiten, also Raumgewinn, Erkenntniszunahme. Viele dieser Begriffe entstammen der militärischen Sphäre. Das soll nicht wundern. Wir sind Menschen, wir sind nackt und schwach. Um uns feindliche Natur, wilde Tiere, entsetzliche Witterungen. Die Märchen geben Nachricht aus diesen Schrecklichkeiten vor der Zivilisation. Nichts ist selbstverständlich, scheint es, was den Menschen angeht – auch nicht in uns selbst.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.