Ich erinnere mich an die letzte Beerdigung, der ich beiwohnte. Es war kalt im Weserbergland Anfang März. Wir hatten schon alles hinter uns gebracht, waren aus der Kapelle Richtung Grab unterwegs, gemessenen Schritts, der Pfarrer uns voraus. Sechs Träger trugen den Sarg. Da stellten sie fest, daß die Seile fehlten. Sie konnten den Sarg ja schlecht dort hineinwerfen, das hätte einen Krach gemacht und Skandal bedeutet. Man wirft nicht zu sechst einen Sarg in das geschachtete Loch, nicht als Sargträger. Nicht einmal wir, die zusahen und auf dem zugigen Friedhof froren, kamen auf eine solche Idee. So also warteten wir, bis die Feuerwehr des Ortes ein paar Seile herbeigeschafft hatte. Das dauerte eine halbe Stunde. Wir standen und froren und warten. Der Pfarrer in seinem schwarzen Kleid hätte Lieder anstimmen können, die wir zur Ehre Gottes singen. Doch das fiel ihm nicht ein, und die Leute sind ja nicht mehr textsicher, bis auf die Alten. Ich beobachtete während des Wartens eine Hummel, eine einzige kleine Hummel, die über das Grabloch und um die Blumen flog. Keine Ahnung, wer sie noch sah. Im Sarg lag meine Tante, und ich stellte mir vor, wie sie lacht. So eilig hatte sie es denn doch nicht, in die Erde zu kommen.
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