Ein Regime muß gebrochen werden – das kostet Zeit und Mut. Von selbst verschwindet es nicht. Der kommer en dag (The Day Will Come) zeigt das. Dänemark Ende der sechziger Jahre, ein Erziehungsheim für Waisenkinder – die Brüder Elmer und Erik sind dort untergebracht. Sadismus, sexueller Mißbrauch, Kinderarbeit, schwarze Pädagogik. Die Kinder sind Insassen dieser Anstalt, ausgeliefert und ohne Rechte. Man kann das kaum mitansehen – ich jedenfalls nicht. Mehrere Male unterbreche ich den Film. Er berührt etwas in mir, das aus alter Zeit kommt. Die Kinderhilflosigkeit, der unbändige Zorn wegen erlittener Ungerechtigkeiten, die Ohnmachtserfahrung, das Unverständnis gegenüber den Regeln der Erwachsenen. Fassungslos sehe ich zu, wie zwei Kinder systematisch zerstört werden – und erinnere mich an Fanny und Alexander von Bergman, an diesen Priester, in dessen Erziehung Alexander gerät. Der Tag wird kommen, an dem all das auf den Tisch kommt. Das menschenzerstörerische Handwerk der „Pädagogik“ lebt ja fort, nur nicht mehr in jener – wie soll ich sagen – : Deutlichkeit. (Daß du nichts wert bist, hat dir wer gesagt?) (Auch Eltern können Schlimmes bewirken.) Man braucht Freunde und freundliche Menschen hierzuerden. Frag die, die es wissen.
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