Zweierlei Wissen

Auch die Wörter müßten sich jetzt einmummeln und kapuzieren (Kapuzen tragen). Es kommt mir falsch vor, daß sie hier auf Weiß stehen, grauschwarz und unbekleidet. Wenn das Leben schon anders ist im Winter, dann doch auch das Sprechen. Das nämlich stört mich an den Nachrichten – daß sie Jahreszeit und Lebensumstände nicht enthalten. Lebensumstände sind Bedingungen des Sprechens und Schweigens, aber der Einfachheit halber tun „wir“ so, als seien Aussagen jederzeit und an jedem Ort dasselbe und freihin übertragbar. Das ist schlichtweg Unsinn. Was daraus folgt, aus diesem Unsinn und umgekehrt also dem Sinn, ist endlos und fruchtbar. Überhaupt scheint mir der gute Weg dorthin zu führen, wo das Verschwiegene und Weggewischte zu erster und weiterer Geltung kommt. Das, was Wahrheit genannt wird und akzeptiert scheint, korrespondiert mit Macht und Vorteilnahme. Beschlagene Teilnehmer des Lebensspiels wissen und konzedieren dies. Man darf nicht kleinlich sein, wenn man etwas will.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Zweierlei Wissen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert