Plus 2 Grad dort, hier 2 Grad minus

Die Fußgängerzone meiner Heimatstadt liegt lang und beleuchtet vor dem Beobachtungsposten auf dem Hochzeitshaus, einem Prunkbau der Weserrenaissance. Das Pflaster ist hellweiß, es liegt noch Schnee. Drei eingeklappte Sonnenschirme sind zu sehen, wie sie auf Terrassen von Cafés stehen. Schneeschirme? Ich bin als Jugendlicher diese Osterstraße so viele Male entlang gelaufen, daß sie mir unzählbar erscheinen. Ganz am Ende, wohin der Beobachtungsposten kaum noch schauen kann, stößt sie auf den Ringverkehr des ehemaligen Stadtwalls. Nur wenige Meter weiter in diese Richtung lag der Eissalon Miramare, neben der Bücherstube. Erst aß ich Eis, dann stöberte ich nach Büchern (dem Alter nach). Es ist nach Mitternacht in Hameln an der Weser – niemand unterwegs. Auch am zweiten Beobachtungsposten auf der Pfortmühle mit Blick auf den Fluß und die Alte Weserbrücke ist nichts los. Einmal überquert Licht die Brücke, das wird ein bemannter Personenkraftwagen sein. Dunkel fließt des Nachts die Weser über die Wehre. Ich denke daran, wer ich wäre, wenn ich dort lebte.


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