Vorsicht vor dem Guten

Mit einer Überschrift beginnen – funktioniert nicht. Ich habe eine Idee, aber sie ist nicht sofort Überschrift. Überschrift ist Grabinschrift. Der fertige Text ist ein Begräbnis. Vorsicht vor Benennungen und Begriffen. Im Handumdrehen werden daraus geisterhafte Wesenheiten, die echtes Leben an sich reißen und zu opfern bereit sind. Jeden Tag prügelt man mir gute Ideen in die Augen und die Ohren, sie lauten sonstwie. Ich soll retten, unterstützen, boykottieren, besuchen, spenden, teilnehmen, fernbleiben, mobilisieren, unterschreiben, solidarisch sein. Hehre Anliegen und wie immer schon für eine bessere Welt. Das macht Lust, für eine schlechtere Welt auf die Straße zu gehen und sie sich auszumalen als ein Therapeutikum. Vielleicht hilft und heilt die Schockstarre – sofern man aus ihr erwachen darf. Ich bin schon zu alt für die Apokalypse, sie „bringt mir nichts“. Ich zucke zusammen bei „to make this world a better place“ – schuld ist meine historische Bildung. Dann mal zu, frisch auf ans Werk, ich gehe in die Pilze. Daß Gutes getan werden soll, begrüße ich. Schlechtes zu tun ist ein seltsames Vorhaben. Das wäre der Sinn meiner Demonstration. Sie ist längst vollzogen worden, aufklärend deutlich. Ich erspare uns die Namen, wir verdanken ihnen einiges und Wesentliches.


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