Noch heute. Schon gestern. Wegerklären

Das Rattenloch ist zugeschüttet und versiegelt. Der Mond nimmt ab. Seit drei Tagen werden wir mit Sonnenschein beschmissen. Ich bin dankbar und erschöpft. Am liebsten rede ich über das Wetter. Besäße ich ein Auto, stünde von mir etwas auf der Straße. Heute (bald gestern) habe ich darüber nachgedacht, wer in diesem Land das Sagen hat. Es sind nicht die Handwerker, es sind nicht die Fabrikarbeiter, auch nicht die Angestellten der Verkehrsbetriebe. Welche Themen werden besprochen, wessen Themen sind das? Während wir (wer immer das sein mag) reden und schreiben und veröffentlichen, reapieren andere unsere Autos oder versiegeln mit Estrich ein Loch in der Abstellkammer, das gegraben wurde, um nach Ratten zu fahnden, die unter der Nachbarwohnung rumoren. Die Aufgabenteilung scheint klar zu sein. Etliches scheint klar zu sein, weil man sich daran gewöhnt hat – über die Jahrzehnte, die Jahrhunderte. Und dann habe ich an die Bild-Zeitung gedacht und an diejenigen, die für sie schreiben, um das, was sie für Volk halten, angemessen zu bedienen: studierte Leute, Karrieristen wie andere auch, auf Ausbildungsstation Radau-Journalismus (lernen, wie man’s macht). Die unteren Schichten schweigen, es scheint sie, außer auf der Straße und in gewissen Vierteln, nicht zu geben: nicht medial, publizistisch, eigenstimmlich. Niemand da, nichts, öffentliche Leere, toter Schallraum. Interessiert hier keine Sau. Nur wenn wer durchdreht, ein totes Kleinkind im Müll gefunden wird, eine Familientragödie den Fernsehsuchlauf stoppt, herrscht kurz mal Stille. Und schon wieder reden die, die immer öffentlich reden.


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