Zug um Zug von hinten nach vorn

Abends, nach der Arbeit, Warten auf die Bahn. Untergrundstation. Idioten unterwegs. Ein Junge bedrängt seine Freundin – er will, sie will nicht. Dann will sie doch. Gemeinsam steigen sie ein Richtung Wittenau, und es ist ruhig. Ich sehe auf die Anzeigetafel, die anzeigt: „Hermannstraße 1 min“ und „Hermannstraße 5 min“, wenig später 2 min und 5 min. Gegentor, denke ich und warte auf das 3:5. Schon ist es soweit, kurz darauf fällt der Anschlußtreffer zum 4:5. Beim 5:5 würde es unheimlich, das möchte ich nicht erleben. Da kommt der verspätete Zug, fast leer. Mit mir steigt ein dieser Typ in seinem Trappermantel, Wildlederboots an den Füßen, Haare schulterlang, den Blick unter buschigen Brauen in die Ferne gerichtet, als sei er es gewohnt, die Horizontlinie abzusuchen nach einem Ziel, das wirklich lohnt. Von ganz hinten läuft er durch den langen Schlauch der U8 nach ganz vorn, damit jeder ihn sehen darf. Als würde er gefilmt. Haben wollen. Beachtung, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Liebe.


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