Schlafgefangener, aber das war in einer Berghütte

Manchmal weiß ich nicht, wo ich stehe. Es ist keine Karte zur Hand oder niemand in der Nähe, der zu fragen ist.

Irgendwo inmitten der Themen und Thesen oder abseits davon im Schilf. Mein Name ist Schilfert, ich suche Eier und seltene Schwimmvogelarten. Über den oberen Rand des biegsamen Schaftes läuft es mir in die Gummistiefel, meine Füße quatschen im Fußbett.

Weiter hinten soll das Anglerheim sein, dort habe ich für heute abend einen Schlafplatz gebucht, im Massenlager, da kostet er nicht viel. Angler sind ruhige Leute, ich hoffe auf guten Schlaf.

Im Giebel des Schlafraums ist ein kleines Fenster, das sich öffnen läßt. Wer dort liegt, muß frieren, sonst ersticken die anderen.

Hätte ich vorher gewußt, das wir mit achtzehn oder zwanzig Leuten dicht an dicht unter der Dachspitze liegen, hätte ich mir eine zweite Decke geben lassen und auf dem Flur oder unten im Schankraum auf der Holzbank geschlafen.

Nun liege ich im Mief des Ausgeatmeten und erkläre dem Mann am Giebelfenster, daß er zu öffnen hat. Dann erfriere ich, schreit er. Und wir ersticken, gebe ich zurück.

Wenn wir die Plätze wechselten, wäre mir für einige Atemzüge gedient. Doch das ist viel zu umständlich, immerhin schlafen auch welche, und es wäre unschicklich, im Schlafsack über sie hinwegzutapsen.

Sauerstoffmangel – das sagt sich so. Überhaupt sagt sich leicht, was nicht leicht ist. Man kann nicht gut einschlafen, wenn man gerade erstickt. Man schläft nicht, man brütet; man haßt oder hadert wegen einer falschen Entscheidung.


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