Nach der Abschaffung des Menschen

„Vergiß den Tod durch Lungenerkrankungen, man stirbt durch schlechte Konversation“, erläutert die Großmutter ihrem Enkelkind, der jungen Königin, in The Crown.

Es fiel mir vor Jahren auf, daß einige Sorgfalt und etliches Bemühen in die Pflege und das Training des Körpers fließen, aber wenig für die Ausbildung des Geistes und noch weniger für die Herzensbildung getan wird.

Herzensbildung ist ein Wort, das ich durch meine Mutter lernte. In der Schule war davon nicht die Rede, und auch später hörte ich es kein einziges Mal. Es muß unter den Tisch gefallen sein.

Öde Gespräche sind die Pest. Man klebt am Boden fest und zieht Fäden. Zähe Versuche, sich aus dem Ölteppich zu lösen. Auch die Luft atmet sich schlecht.

Die Bälle gehen ins Leere. Deplaziert sein auf einer Insel namens Ödnis. Rund herum die weite See, bewegt in Wellen.

Irgendwann geriet auch die Seele in Verruf und wurde aseptisch. Dieser Abstieg, eigentlich Degradierung, läuft uns nach wie eine nicht abzuschüttelnde Ehrenpflicht. Ohne Seele töten wir andere ohne Seele. Seelenmord. Das Auslöschen des anderen durch Nichtachtung seines Wesens.

Aber die Seele ist eine Wunde.


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Nach der Abschaffung des Menschen

Ein Gedanke zu „Nach der Abschaffung des Menschen“

  1. Ulrich schreibt:

    LIeber Holger, ich würde wahnsinnig gern mal wieder mit dir ein Gespräch führen.Allerdings hätte ich auch nichts dagegen, danach am Boden zu kleben. Danach, nicht währenddessen. Du weißt schon.

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