Ein Grundverdacht erfaßte mich, als ich vielleicht fünfzehn war. Er war fürchterlich und lautete platthin, daß alle lügen, und markierte den Zeitpunkt, an dem ich reif war, in das Geheimnis des vernehmbaren (öffentlichen) Sprechens und Schweigens eingeführt zu werden. Die Lektion unterblieb, weil die zuständigen Erwachsenen darüber nicht nachgedacht hatten oder meinen Grundverdacht nicht erspüren konnten. Er ist fürchterlich, da er das Vertrauen zerfrißt. Aber mein Vertrauen war nur ein erstes und noch allzu zutrauliches Vertrauen, wie sich später lernen ließ. Menschliche Wirklichkeiten sind stets mehrdimensional und komplex, man kommt da ingenieursmäßig nicht weit. Der Grundverdacht wurde später übrigens nicht entkräftet, eher noch bestätigt. Anhand ihrer Lügen erkennt man, daß die Menschen die Wahrheit sagen. In ihren jeweiligen Verstellungen geben sie sich (als Negativ) erkennbar und sprechen (insofern) rein und klar. Vor allem ist zu lernen, daß sie sich schützen müssen und deshalb Mittel ersonnen haben, die solches gewährleisten. Ich bin einer von ihnen, ich tue das auch.
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