Starker Westwind. Das ohne Flugzeuge, die aufsteigen und landen, absurd große Flugfeld liegt flach und mattgrün unter einem Himmel graublauer Mischtöne. Wolken, etwas dunkler gehalten, wirken wie aufgetupft. Der Spaziergänger mit Kapuze auf dem Kopf, der beidreht und den Wind nun von hinten hat, bin ich. Er läuft zurück in sein Wohnquartier und erinnert sich, daß er seit einundzwanzig Jahren dort lebt, wo ständiger Wandel die Leute anlockt und vertreibt. Neukölln verspielplatzt etwas, denkt er auf seinem Heimweg, während ihm, wie stets auf diesem Straßenabschnitt der Herrfurthstraße, die Lebensentwürfe entgegenkommen: suchende und sich findende Menschen, zu zweit oder in Gruppen, jung und experimentierfreudig, zugleich ängstlich und sicherheitsbedacht, optimistisch voranschreitend oder grimmig den Blick gesenkt. Lämmchen und Kriegerinnen, Checker und Jongleure, Hochnäsige und Verwuschelte, und (oh ja) Künstler – der volle Fächer an Selbstgestaltung und Entwurf, und dahinter die unsichtbaren Geschichten von Herkunft und Schicksalsschlägen, von unterschiedlichen Versuchen, es irgendwie zu schaffen. Es: das eigene Leben, ein eigenes Leben. Auf diesem Spielplatz mag es ein Stückchen für sie weitergehen. Ihm, der das sieht und versteht, hat Berlin-Neukölln geholfen.
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