Wer schreibt, muß auch sagen, wer spricht. Wer lebt, kommt nicht herum, ich zu sagen. Dieses Ich ist glorifiziert und diffamiert worden. „Wer bist du, daß du dich traust, ich zu sagen!“ knurrte mich ein Künstler an, ein Lebenskünstler jedenfalls, Teil einer Szene irgendwo in Deutschland, vielleicht Kreuzberg. Vermutlich war es der Säufergeneral, den ich seit einer Ewigkeit nicht gesehen habe. Seine Stimme habe ich noch im Ohr, und die geht da auch nicht mehr raus. Sein Ich soll man sich also erst verdienen? Ich denke nicht so. Woanders habe ich das Ich einmal das kleine Fahrzeug genannt – immerhin fährt es, birgt und verbirgt auch. Wer auf dem Ich herumtrampelt, tritt auf sich selbst herum. Ist das Ich eine Maske, eine Larve, ein Versteck, eine Konstruktion, ein Tempel, eine Senkgrube, ein Himmelfahrtskommando, ein lauer Wind, ein Fast schon nichts? Gut und schön, aber wie soll das sich nennen, welches spricht und sich enthält! Soll es sich Namen ausdenken oder lieber ganz verschweigen, soll es sich seiner Fassung schämen? Das Ich ist schön, denke ich, und es soll sich nicht nicht verleugnen. Wird es bemerkt, spielt es sich schon nicht mehr auf. Jeder kennt eine schlimme und manchmal lange Geschichte eigenen Übersehenwerdens. – Vorhin habe ich erneut einen dieser Wir-Kommantare gelesen, moralisierend und feige (sich aber mutig wähnend). Wer auf der Moraltute herumtutet, ist meistens feige. Die Moralisierer wollen immer irgendwen in die Ecke drücken, das ist mies.
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