Eine neuerliche Neigung zu Verboten und Vorschriftenmacherei – besonders ausgeprägt in den Redaktionsbüros der beiden Hamburger Wochenblätter, deren Angestellte oder Freiberufler recht geschlossen einem Milieu zu entstammen scheinen (ich kenne sie nur über ihre Texte), das für Sicherheit und Strenge (Grenzen setzen etc.) steht und das Leben einzuhegen und innerhalb von Gattern und Schutzzäunen zu halten sich angewöhnt hat. Sie reden wie Lehrer oder Schuldirektoren und erheben mahnend die Stimme. Greift endlich hart durch! fordern sie von den Regierenden. – Doch hat das schon viel früher begonnen. Die derzeitige Krise macht sie (diese Neigung zu Verboten und Vorschriftenmacherei) nur besonders deutlich. Sie entstammt einer Lebensangst, wie sie nur in Milieus gedeihen kann, in der Behütetsein als Grundrecht aufgefaßt und Unsicherheit als unerträglich empfunden wird. Ihr Regiment ist die totale Kontrolle. Kontrolle der Kinder, Kontrolle der Körperfunktionen, Kontrolle der Karriere, Kontrolle des Denkens und Sprechens, Kontrolle des Klimas, Kontrolle des Glücks, Kontrolle des … äääääh. Früher, als ich noch nicht so fein war, hätte ich denen gesagt: Wißt ihr was – scheißt euch doch einfach zu. Jetzt sage ich: Baut euch doch bitte ein eigenes Bundesland und erfreut euch dort der Form von Leben, die euch vorschwebt. Werdet bitte uralt und bestraft alle, die nicht mitmachen beim Mindestenshundertwerden, indem ihr sie zu uns entlaßt, ins freiere und gefährlichere Leben.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.