In manchen Stationen der U-Bahn sind in Kopfhöhe gelbe Schilder an den Fliesen angebracht, die den Platz bestimmen und begrenzen, der Straßenmusiker berechtigt, gegen Anmeldung dort (und nur dort) zu spielen. Sie bekommen 2 m² zugestanden in einem der zugigen Gänge, die von unten nach oben führen. Ich habe eines der Schilder photographiert; es hängt, wo einem der Wind entgegenschlägt, wenn unten die U-Bahn durch ihr schnelles Verlassen der Station Luft ansaugt. Tag für Tag verspreche ich mir aufs neue, daß ich unten warten werde, bis der Luftaustausch stattgefunden hat, um dann nach oben zu steigen, die Treppen hinauf und an diesem Schild vorbei, das einen leeren Platz bezeichnet, an dem niemand wird musizieren mögen, der bei Verstand ist, denn es weht alle zwei bis drei Minuten derart stark, daß man die Notenblätter festheften muß oder besser gleich aus dem Gedächtnis spielt – hört ohnehin keiner zu. Noch grotesker ist der sogenannte Raucherbereich auf den oberirdischen Bahnsteigen der S-Bahn (Deutsche Bahn) gestaltet, ein Geviert von ebenfalls zwei, bestenfalls zweieinhalb Quadratmetern auf einem Bahnsteig von der Länge eines Fußballfeldes, schnurgerade und rechtwinklig mit breitem gelbem Pinselstrich auf die grauen Bodenplatten aufgetragen, als sei eine Staatsgrenze zu markieren. Diaspora mit Tempelanlage für die heilige Asche des Opferrauchs, den niemand mehr entgegenzunehmen vermag, da Gott bekanntlich Nichtraucher ist.
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