Die Flüsse fließen ins Meer. „Die Rehe bleiben menschenscheu“ (Keimzeit). Wolken ziehen auf und verschwinden. Kinder werden groß. Ebbe folgt auf Flut, Flut auf Ebbe. Die Mauersegler kehren zurück, um den 5. Mai herum. Noch ist es kühl, bald wird es warm. Nachts sind die Straßen leer. Den Füchsen gehört nicht die Stadt, aber den Wildschweinen. Humor ist, wenn niemand mehr lacht. Die Ampelanlagen geben Lichter, die nichts regeln. Der Verkehr verkehrt nicht. Der Mond nimmt zu, später wird er wieder abnehmen. Die Menschen sind aufgeregt, später werden sie sich wieder beruhigen. Derzeit sind wir in statistischer Untersterblichkeit und kehren demnächst zurück in die Übersterblichkeit. An den Gräbern wird geweint, an den Krippen gelacht. Die Anteilnahme ist echt. Taoistische Ruhe in Deutschland. Alle wissen Bescheid und drehen sich im Rad des Ewigen. Nichts Neues auf Erden. Das alte Spiel in den Verkleidungen der Zeit. Aber man kann auch mitwetten und sich hin und her gerissen fühlen von dieser oder jener Partei. Ich sehe fortan zu, ohne Begeisterung, ohne Eifer, ohne Bestürzung, ohne erzieherische Absicht, ohne Meinung fast. Ich verstehe alle Seiten, selbst die verrücktesten Leute kann ich locker verstehen. Die Regierenden haben wirklich Glück, daß die Bürger nicht von der Wahrscheinlichkeitsrechnung optional-rational Gebrauch machen, unmenschlich-menschlich wie stets. Denn darum geht ja der Streit, was menschlich ist und in diesem Sinne moralisch erhaben und insofern befugt, niedere Positionen kleinzuhalten. Schützt das Leben – aber wie und welches eigentlich? Wer Fragen stellt, muß auf Antworten gefaßt sein. Die bundesdeutsche Politik trifft, ob sie es weiß oder nicht, sehr geschickte Entscheidungen, die beide Seiten unbefriedigt lassen. Jeder kriegt was, wie stets in der Geschichte dieser Republik.
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