Die Überschrift kommt zum Schluß. Sie könnte Die Freudlosigkeit lauten. Denn sie hat mich ergriffen, da es nicht warm werden will und der Mahlgang der Tage mich erschöpft. Einem Freund, der fragt, wie es mir geht, schreibe ich: „Klamm von dieser anhaltenden Kühle. Ich lebe zusammengeklappt in einem Sideboard meiner selbst.“ Das war fast schon ein Jubelschrei.
Solange ich Sprache habe, gerate ich nicht unter die Räder. Die Alltagsbilder von Menschen auf den Straßen und vor den Läden, die geöffnet haben dürfen, täuschen – alltags gibt es nicht, alltags ist eine Simulation. Daß wir überhaupt noch zur Arbeit gehen oder von zuhause aus erledigen, wofür man uns bezahlt, grenzt an ein Wunder. Durchhalten bis der Impfarzt kommt. Ich bin ein skeptischer Bewunderer des Menschen und werde es zunehmend mehr. Wie er sich durchfrißt durch sämtliche Verhältnisse und zum Teil diese elenden Verhältnisse sich selbst erst schafft, läßt mich staunen.
Ich gerate zurück in meine Kindertage und dieses morgentliche Elend des Aufbruchs zu Arbeit und Schule – alle düsen versteinerten Gesichts dorthin, wohin sie nicht wollen … Das heißt doch, sich ein Elend errichten oder sich in ihm einrichten. Ich verstand die Menschen nicht, und ich verstehe sie auch heute nicht. Der Fehler liegt bei „die Menschen“, ich weiß. Es gibt sie nicht in dieser Form, vereinzelt begegnet man ihnen am besten.
Der Briefverkehr ist eingeschlafen, fällt mir auf. Auch ich schreibe kaum mehr Mails (Schnellbriefe). Die Leute haben mit sich zu tun – wie ich auch. Sich auszubalancieren von Stunde zu Stunde, zurückgezogen und verletzt, und es gibt schon nichts mehr zu sagen. Deine, meine, unsere Ansichten zur Pandemie – pah. Hoffnungen versus Befürchtungen – zu anstrengend. Augen zu und durch – ich seh schon keinen mehr an. Sich durchwuschteln – mehr geht nicht. Die Überschrift paßt schon, ich setze sie ein.
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