Johnny Depp auf Festplatte

Daß die Trauer über den Tod des geliebten Menschen das Leben in Frage stellt – daß es nämlich weitergeht, ohne besondere Anteilnahme des Himmels und der Wolken, daß vielmehr die Sonne scheint, daß die Wochentage weitergezählt werden, von Dienstag auf Mittwoch oder etwas in der Art, daß alle Trauergäste nach der Trauerfeier schön nach Hause fahren, die engen Schuhe von sich werfen und einen Film ansehen, in dem es lustig zugeht. Zum Beispiel Transcendent mit dem allseits geliebten und gelobten Johnny Depp. Der stirbt nicht, dessen Geist wird auf Festplatte gespeichert und geht online, bekommt Zugriff auf das Netz. Seine Frau, jetzt Witwe, will ihn zurück und bekommt ihn auch, jedoch nicht körperlich, sondern viel schlimmer. Der Satz ist unvollendet, daher von vorn: Daß die Trauer über den Tod des geliebten Menschen das Leben in Frage stellt, verstehe ich gut. Doch der Tod bestätigt das Leben, denn ohne „ihn“ müßten wir kein Aufhebens davon machen, wir alle wären immer vorhanden und ähnlich wertvoll wie Kieselsteine oder Graupelkörner.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Johnny Depp auf Festplatte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert