Ich erinnere mich an ein Gespräch vom letzten Jahr, in dem wurde mir beigebracht, daß man im politischen Leben nichts erreicht ohne Penetranz. Wahrheiten müßten wieder und wieder und nochmals wiederholt werden, man dürfe nicht klein beigeben, müsse in Kauf nehmen, als anstrengend wahrgenommen zu werden, dürfe nicht Ruhe geben, bis das Ziel erreicht sei. Sonst erreiche man gar nichts. Wer nicht bereit sei, penetrant zu sein, solle es sein lassen. „Wie traurig das auch ist.“ Nun, ich ließ mich diesbezüglich belehren, es war schmerzhaft, denn ich kam nicht zu Wort. Die notwendigen Wiederholungen wurden an mir exerziert, der ich beim ersten Mal bereits verstanden hatte, daß man ohne Penetranz im politischen Geschäft nicht wahrgenommen wird. Ich schnappte nach Luft, sah mich hilfesuchend um, lief rot an oder wurde bereits gelbgrün – die Belehrung lief weiter. Neun Runden lang! Penetrieren heißt eindringen, durchdringen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.