Das Vorurteil vom Menschen, wie er werden soll

Wer wissen will, wie Menschen sind, soll Simenon lesen. Er findet sie interessant und studierenswert, beobachtet sie von außen wie Käfer oder Mäuse in der Versuchsanordnung, in die er sie steckt. Wenig Hohes an ihnen, aber viel Getöse. Schwadroneure. Da sind auch die Leisen und Verborgenen, die ein Geheimnis bei sich halten können und darüber unglücklich werden. Simenon schabloniert nicht, intendiert keine Trennung in bessere oder schlechtere Exemplare der Gattung. Sie sind, wie sie sind. Das muß geschluckt werden wie bittere Medizin. Claude Simon stelle ich ihm an die Seite, nicht wegen einer Kunstangelegenheit (nouveau roman), sondern aufgrund seiner Menschenkenntnis. Für Simon gibt es keine Helden des Spanischen Bürgerkriegs (oder sonst eines Krieges), nur lärmende Angsthasen (Wichtigtuer) mit aufschneiderischem Gebaren und martialischen Gesten unter den unvermeidlichen Fahnen, Wimpeln und Parolen. Befreiungsversuche, durch die Aktion auszubrechen aus dem Kerker der Bedeutungslosigkeit, der schweren Last, die darin besteht, daß man lebt. Henry Miller, der das Göttliche im Vulgären erkennt und sich keinen Furz um die sogenannte Moral schert. Die ist reserviert für Lügner, Heuchler, Idealisten. Ein behütetes Leben, wie es angestrebt sein mag, hat den entscheidenden Nachteil, daß man keine Ahnung hat. Mit schönen Worten lassen sich Vorhänge weben, damit man von der Straße nicht hineinsehen kann.


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