Singsang zur Nacht

Das Vorhandene ist das Gegebene, vorzufinden als die Gegebenheit. Vorhanden sein heißt, anwesend zu sein, den Händen erreichbar, in diesem Sinne: objektiv. Wer oder was die Gegebenheit verursacht hat, bleibt draußen. Ein Ist-Zustand kann aufgenommen und untersucht werden. So ergeht es auch den Themen, die plötzlich im Raum stehen und von Millionen diskutiert werden, die Monate zuvor nicht einen Gedanken daran verschwendet haben. Jedenfalls war davon nichts zu bemerken. Mit den Themen ist es wie mit den Stars und anderen Erregungen des öffentlichen Interesses. Die Kameras kosten Geld, die Redaktionen müssen liefern, die Blog-Seiten wollen gefüllt sein oder weitergeführt werden. Da kommen Themen gerade recht. Ich möchte am liebsten über den Regen schreiben, über das Wetter reden, die Sonne preisen und die Wolken, die sich schützend zwischen sie und mich schieben. Ich denke auch viel über Idealismus nach, da ich zweifelsfrei der idealistischen und romantischen Schule zuneige, sie aber zugleich als schwach und defizitär erlebe. In mir arbeitet es an einem Realismus-Konzept, das die Enge des Tatsächlichen (Erkennbaren) und die Passivität des Gegebenen (Konstellation, Situation) überwinden kann und ein dynamisches Verständnis dessen bedeutet, was ohnehin dynamisch ist. Aber nicht mit Worten und weiteren Begriffen, sondern lebendig als Geschichte, Gedicht oder Ereignisfragment. Dabei verfolge ich, wie ich inständig hoffe, keine Agenda. Niemand soll in meinen Plan hineingeraten. Nicht einmal ich selbst halte mich an meinen Plan, den ich auch nur deshalb Plan nenne, weil er keiner ist. Das wiederum schreibe ich nicht aus Lust an Paradoxien, sondern aus der Einsicht in menschliches Trachten und Verschmachten. „Verliebt hat sich noch immer jede zusätzliche Anstrengung gelohnt“, sang Norbert Leisegang von Keimzeit, ehe die Band in der Bedeutungslosigkeit versank. Nächstes Thema: Warum verglimmen die Zigaretten, warum erlischt das Feuer so früh. Der Regen kommt, Wachstumsregen, guter Regen.


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