Im Planquadrat des rechten Glaubens

Die Deutschen gelten als regelgläubig. Jedenfalls diskutieren sie Regeln rauf und runter, was darauf hinweist, daß sie sie ernstnehmen. Ist eine Regel angenommen (beschlossen und vollstreckt), halten sie sich daran. Nicht nur das – sie prüfen auch, ob andere es ihnen gleichtun. Verstöße werden gemeldet und geahndet. Nun sollen es doch bitte alle tun. Es ist auch wichtig, auf der richtigen Seite zu sein und als moralisch gerechtfertigt dazustehen. Der kategorische Imperativ wird in Ehren gehalten. Kleine Betrügereien werden sofort bemerkt, die großen, sofern sie sich auf höherer Ebene abspielen, übersehen. Der Deutsche ist seiner Gesinnung und Herkunft nach Idealist – was bedeutet, daß er das Ideale im Realen anzutreffen wünscht. Entsprechend die Verordnungen – da ohne sie das Ideale nicht real zu werden vermag. Nur so lassen sich die jüngsten Regelvorstöße verstehen, für sonstwas alles. Das vermeintlich Gute muß nur erst juristische Gesetzeskraft erlangen – dann setzt es sich durch und durchquert siegreich die Bezirke des Lebens.


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