Pusteblumen

Zeit intensiven Lernens und Denkens. Besinnung auf Wesentliches. Dagegen die Banalisierung des Lebens in den Statistiken. Unaufhörliche Entwertung. Nur viele Tote zählen, sonst hat Politik nichts davon. Quantitative Opferriten der Gegenwart. Ich bin für das Sterben und den Tod, habe ich kürzlich gesagt oder geschrieben, aus Protest. Nur auf den Friedhöfen herrscht die endlose Ruhe, mit Meinungen und Stimmungen ist dort nicht viel zu holen. Zwar haben die Lebenden den Toten stets irgendwas angedichtet, aber das juckt die Toten nicht. Die liegen gut verpackt unterhalb der Grasnarbe und halten still. Ich bin nicht meine Leiche, sage ich schon jetzt. Daß aber meine Leiche nicht auf die Müllkippe kommt oder in die Abdeckerei, halte ich für Kultur, also Gesittung. Ich möchte auch nicht in den Wind gestreut werden als Asche, möchte nicht in einem Friedwald unter einem Baum liegen, sondern auf einem Friedhof bestattet sein, wo wenige Menschen sitzen und wandeln, um bei denen zu sein, die nicht mehr lärmen und nichts mehr wollen.


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