Es wurde täglich enger, nun eine Ahnung davon, wie es sein kann zu leben

Ein guter Tag. In der Untergrundbahn lese ich die Eintragungen der letzten Wochen, Tage und Texte, ein wenig bangend. Bin ich ungerecht gewesen, habe ich wen beleidigt, mich grobschlächtig benommen? Nachdem ich ein paar Einträge ins öffentliche Buch eines zeitgenössischen Lebens gelesen habe, atme ich auf. Geht schon so. Man hört wohl durch, daß ich begonnen habe, um mich zu treten. Es war auch kein Atmen mehr, das meine Brust hob und senkte. Sie hob sich ja kaum und mußte sich deshalb auch nicht senken. Es war eher ein Röcheln, metaphorisch gesprochen, ein Nach-Luft-Schnappen. Man möge mir diese Bildübertragungen verzeihen, sie klingen geschmacklos oder mindestens gewagt – da ja tatsächlich manche Leute keine Luft mehr bekommen und deshalb beatmet werden müssen. Aber es gibt nicht nur eine körperliche, es gibt auch eine seelische Not und es gibt auch eine geistige Not. Pneuma: Luft, Geist, Hauch, Atem. Daher nehme ich den Vergleich. Doch, ich kann meine aus der Not entstandenen Texte gelten lassen, heute jedenfalls, an diesem guten Tag.


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