Hund und Geier

Drei, vier Sätze Lawrence Durrell, in diesem Fall Bittere Limonen, und ich werde hinausgetragen in eine Welt. Es ist erneut eng und stickig geworden in Deutschland. Kleinkariert, rechthaberisch, spießig. Die vernehmbaren Akteure wollen es richtig machen, am liebsten zweifelsfrei. Also werden die Wissenschaften bemüht. Die sind geblieben, die hat man gelassen. Über allen Zweifel erhaben ist leider wenig bis nichts. Auch die ermittelten Wahrheiten sind zeitgebunden und unterliegen Revisionen. Daß die Wissenschaften auf Bedarf mißbraucht werden, ist nicht neu. Dennoch lassen sie manchen Drachen steigen und halten ihn hoch und steil in den Wind des Gelächters. Der Wind lacht seit Jahrtausenden, aber wen tröstet das? Hier ist gar nichts mehr los, derzeit, hier läßt sich ganz wenig lernen. Ich bewundere junge Hunde und sehe den Bäumen zu, wie sie mit dem Wind sind, auch weil sie müssen. Mir kommen die Menschen, die sich laut machen und oft zu sehen sind, zwanghaft vor. Als liefen sie im Hamsterrad oder paddelten in der Badewanne um die Wette mit ihrer gelben Ente. Eine Last von mehreren Kubikmetern Bauschutt oder Frischbeton auf jeder Brust. Niemand atmet, alle röcheln – haben Angst oder fummeln an sinnlosen Sorgen herum. Bekomme ich morgen einen Friseurtermin! Über diesem sogenannten Leben die dunklen Wolken politisch definierter Herausforderungen und Ziele. Da droht erneut Strafe bei Nichtbefolgen. Schule endet nie, wenn man nicht aufhört, gute Noten bekommen zu wollen. „Eine Wasserschildkröte lag tot am Strand (…) und ein magerer Hund scharrte ihre verwesenden Eingeweide heraus und tat sich daran gütlich. Dicht daneben hockte auf einem Felsstück ein Geier und sah gierig zu. Der Geier krächzte und gurgelte und sträubte hungrig die Federn, und von Zeit zu Zeit, vielleicht wenn ihn das entsetzliche Schmatzgeräusch des fressenden Hundes überwältigte, hüpfte er herunter und zerrte und hackte mit seinem großen Schnabel an der Schildkröte, um an dem Mahl teilzunehmen. Bei jedem Ausfall sprang der Hund, zitternd vor Hunger und Wut, beiseite und griff ihn an, und der Geier hob sich mit einem mächtigen Flügelschlag behende in die Luft, zog sich wieder auf seinen Felsen zurück und protestierte murrend und krächzend.“ (Kapitel: Es gibt kein Zurück mehr)


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