Dame statt Schach

Manchmal fragen Leute: Spielst du Schach. Antworte ich: Nein, aber ich weiß, wie man zieht. Sagen die: Aber das ist nicht Schach spielen, das sind nur die Regeln. Sage ich: Gut, wir können Schach spielen, aber du gewinnst. Das ist zweimal geschehen, und anders als erwartet, habe ich gewonnen. Kann ich also Schach spielen? Nein, ich kann korrekt setzen, aber ich bin kein Schachspieler. Daß ich gewonnen habe, liegt an den seltsamen Gegnern, nicht an mir. Schach langweilt mich übrigens. Dame ist viel interessanter. Huysmans gibt mir recht – in Gegen den Strich (À rebours, 1884) läßt sich das nachlesen. Joris-Karl Huysmans, erst Realist, dann ein bekennender „Vertreter“ der Dekadenzdichtung. Dem Natürlichen das Künstliche entgegensetzend, absichtsvoll und demonstrativ, aus stilistischen und ästhetischen Gründen, also solchen des Geschmacks. Aus verschiedenen Likören sich eine „Gaumensinfonie“ bereitend, stets die Vorhänge zugezogen halten und der Hausschildkröte Brillanten in den Panzer einarbeiten lassen, damit sie endlich schön wird. All dies und noch viel mehr läßt sich erfahren über Jean Floressas Des Esseintes, den Protagonisten dieses bemerkenswerten Romans.


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