Jemand geht, stirbt, wird bestattet. Da fehlt was. Daß der Körper in einem Holzkasten in die Erde gelassen wird, ist ein Akt des Zurückgebens. Nicht deshalb, weil wir aus Lehm geformt wurden (wenngleich das ein mächtiges Bild ist), sondern weil alles, was wir sind und benötigen, dieser Erde zu verdanken ist. Auf ihr sind wir gelaufen, eines Tages laufen wir nicht mehr. Mutter Erde, das höre ich aus vielen Liedern und Gesängen. Sie wird (als Wesenheit) mißbraucht und geschändet, aus ihr ziehen wir, was produziert wird. Endlos neue Automobile und der Krimskrams von Unterhaltungstechnologie gegen die Langeweile einer bequemen Konsumentenexistenz. Ich will nicht wandern, aber zeig‘ mir einen Film übers Wandern, über den Krieg, über die Apokalypse, aber spannend soll er sein. Immer noch mehr Stoffliches, mehr Produkte, mehr Käuflichkeit für die Wohlfahrt derer, die ein vitales und funktionierendes Interesse daran haben, daß die Erde ausgeweidet wird. „They are mining us“, sagte John Trudell, Sprecher des American Indian Movement und später Sänger und Poet, und ich bin mir sicher, daß er wußte, wen er meinte, wenn er sagte, „sie“. Sie sind jetzt auch für den „Klimaschutz“, denn der ist aktuell das größte Ding, eine Milliardensache. Nur Idioten machen nicht mit, dabei kann jeder profitieren. Gutes Gewissen plus guten Umsatz – das rockt. Niemals weniger, immer nur mehr. „They are mining us“ sagt mir, daß die Ausbeutung von Mutter Erde jener Ausraubung entspricht, die an uns allen vorgenommen wird. Nur entstamme ich, anders als Trudell, nicht einer Zivilisation, die „im Einklang mit der Natur“ leben mußte. Spuren davon aber gab es, in meiner fernen Kindheit jenseits des Mondes in einem kleinen Nebental der Weser in einem Dorf, das niemand kennt oder kennen muß. Nichts Paradiesisches daran, nur das Wissen um ein paar Grundwahrheiten. Daß man geben muß, um nehmen zu können. Nun nennen „sie“ es für ihre Firmenpropaganda „sustainability“, was Nachhaltigkeit bedeutet (siehe Forstwirtschaft). Mag sein, daß das „globale Biest“ sich zähmen läßt und Mutter Erde weniger mißbraucht. Ich möchte hoffen dürfen, aber nicht demnächst betrogen worden sein.
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