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Woanders wird gestorben und wir sehen zu. Die Kameraleute zeichnen auf, die Reporter (Berichterstatter) senden ihr Bildmaterial, die Redaktionen bearbeiten es – schließlich ist angerichtet und wird serviert. Daß woanders gestorben wird, während wir hier in Frieden leben, belastet mich. Nicht deshalb, weil ich mir wünsche, daß hier solcher Schmerz einzieht, sondern weil ich den fundamentalen oder meinetwegen kategorialen, jedenfalls sinnenhaft spürbaren Unterschied zwischen „erleben/erleiden“ und zusehen/beurteilen/kommentieren verstehe. Aber hier wurde gelitten, getötet und gestorben, und zwar reichlich, und in jeder Familie, so daß niemand lange fragen muß, um auf jemanden zu stoßen, den es vor der Zeit in die Grube riß oder ins Vermißtsein. Aus einer Blut- und Schlammgrube sind unsere Eltern oder Großeltern herausgekrochen und haben sich ins Leben gewunden, manche schuldig, andere eher nicht. Das sollen wir wissen. Unser Gefühl reicht tiefer als der Verstand. Noch in uns pochen die Verletzungen und Schmerzen, besonders jene, die anderen zugefügt wurden. Wir denken uns zeitlich zu kurz. Ich bin so alt, wie ich nicht weiß, und noch sehr viel älter.


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