Immer wenn ich pinkeln muß, denke ich nach über den Unterschied von poetischer und wissenschaftlicher Wahrheit. Die Poesie genießt die grandiose Freiheit der Themen- und Wortwahl, ist niemandem unterworfen außer der literarischen Kritik und dem Geschmack des Publikums – überdies jedoch auch dem Niveau des bisher Gesagten, bis weit zurück in die Geschichte, zurück zu Homer und weiter zurück zu den ersten Sängern und Predigern eines eigenständigen menschlichen Sprechens über die Welt und die Wirklichkeit und die Situation, in ihr zu leben, zu fühlen, zu denken, zu handeln, zu sprechen. Daraus ergibt sich der Auftrag, die Ahnen nicht zu blamieren. Sie sollen sich unser nicht schämen. Denn einst werden wir zusammenfinden, und dann sollten wir jetzt noch Lebenden bestehen können. Wer das idiotisch oder sonstwie findet, ist natürlich ausgenommen und kann treiben, was er möchte. Wissen als Gewißheit werden wir zum Schluß, wie stets. Für die Wissenschaften kann ich nicht sprechen. Ich vertrete, wenn überhaupt, die Wissenschaft des Sprechens und Schweigens – und vergehe mich oft genug und bitte um Nachsicht.
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