Natur – Widersacherin, Lehrmeisterin, Rechteinhaberin, Ermöglicherin, Gesetzgeberin. Moralisch indifferent, grausam, verschwenderisch, richtungslos, unermeßlich, heimtückisch, siegreich. Bedingung, nicht Bedingtheit. Kultur – Landbau, Anbau, Art und Weise, Zähmung, Gesittung, Kontrolle, Vermögen, Sprache, symbolische Repräsentanz, Einrichtung, Umordnung. Bedingtheit.
Wir sprechen über Natur, als läge sie außerhalb unser. Doch sind wir zuallererst selbst Natur, zweitens Kultur. Wir sind kontrollierte Natur, denn wir fürchten die unkontrollierte Natur. Sie setzen wir gleich mit Chaos, Unordnung, Willkürlichkeit. Natur macht uns Angst, siehe Katastrophe. Natur wird romantisiert, da wir sie brauchen – sie uns nicht.
Vorsicht Stilmittel. Natur ist keine Wesenheit, die an einem Punkt zu greifen und unschädlich gemacht werden kann. Kultur ist ebenso wenig jemand. Kultur ist menschliche Praxis, zeitlich und räumlich differenziert, niemals gesichert, jederzeit strittig.
Kultur ist der Versuch des Menschen, mit der Natur, auch seiner eigenen, fertig zu werden. Das schaffen wir nie. Da wir es nicht schaffen können, sind die jeweiligen Versuche, Antworten auf die eine und entscheidende Frage, so interessant. Interessant im Sinne von bezeichnend. Wir können nichts tun, ohne daß es uns bezeichnet, wir also deutlich werden. Aber das möchten wir doch, nicht wahr.
Sollen die Nachwelten von uns schwärmen.
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