Je weniger ich (eigentlich oder insgeheim) von einer Sache überzeugt bin, je mehr ich Zweifel trage, desto lauter werde ich (in mir) rufen, es solle in diese Richtung gehen, von der ich lediglich hoffe, daß sie die richtige ist. Denn ich habe mich entschieden, mich auf diese Seite gebracht – nicht auf jene. Ich tat das nicht bösen Willens, sondern in gutem Glauben und im Vertrauen auf seine besten Argumente und Sprecher. Nun gerate ich an das, was als kognitive Dissonanz bekannt ist. Ich blende aus, was nicht in mein Konzept paßt, oder relativiere oder diffamiere es. — Solche Mechanismen finden beidseits der jeweiligen Meinungsgrenzen und innerhalb der jeweiligen Lager statt. Sie sind gleichsam die Voraussetzung des „Kriegs“. — Worauf es meines Erachtens ankommt, ist, die kognitive Dissonanz im eigenen Denken zu erkennen und zu benennen. — Ich selbst bin dauernd voll solcher Dissonanz und versuche auch, aus dieser Spannung herauszukommen. Aber bitte doch nicht, indem ich leugne, daß es berechtigte Meinungen gibt, die mir vielleicht nicht gefallen. — Mein Vorteil liegt darin, daß ich meistens auf Seite der Minderheit bin. Aber das ist bereits ziemlich vollmundig gesprochen, und ich lasse die Aussage als Augenblicksbemerkung stehen, ganz im Sinne des Logbuchcharakters dieser Seiten.
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