Eines dieser abgelegenen Nester ohne Empfang. Man kann Richtung Wald laufen, um weiter oben am Hang vielleicht einen Balken auf der Anzeige zu bekommen. Im Winter muß man dafür frieren gehen, aber vielleicht wärmt die Nachricht ein wenig. Andererseits ist es gut, derart abgeschnitten zu sein. Bald schon beruhigt sich das dauerempfangsbereite Ich und versteht: das Smartphone ist nicht mehr relevant. Bücher werden wieder wichtig, eine alte Zeitung lädt zum Lesen ein. Der Geist möchte beschäftigt werden (vielleicht sollte es heißen: beschäftigt sein), man kann zu schreiben beginnen, vielleicht einen Brief. An der Dorfstraße hängt ein gelber Briefkasten der Post, Briefmarken finden sich in einer Schublade im Schreibtisch unter der Dachschräge. Seltsam, wie es sich anfühlt, einen echten Brief zu schreiben – beinahe geheimnisvoll, fast schon kostbar. Das langsamere Leben, wie vor dreißig oder vierzig Jahren. Doch damals bereits kam es den Leuten schnellebig und überhastet vor, damals bereits klagten sie über Streß und Dauerberieselung (durch das Fernsehen), Konsumterror und Wir amüsieren uns zu Tode. Noch leben wir, scheint es. Neil Postman starb 2003. Wer die Ruhe sucht, wird sie finden, nicht erst im Tod. Seit Jahren möchte ich wieder echte Briefe schreiben. Hier fange ich an, hier am Arsch der Welt. Die Welt hat viele Ärsche.
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