Es wird viel Unsinn geredet. Da ist es leicht und bietet sich billig an, das Gegenteil des Unsinns für sinnvoll zu erachten. Im Einzelfall ist dies zu untersuchen, doch ich bin mir ein wenig sicher, daß diese Logik des sinnvoll erscheinenden Widerspruchs in die Irre führt. Es mag Menschen und Ansichten geben, die mir widerwärtig sind oder deren Ansichten ich ablehne. Doch aus ihrem Minus ergibt sich nicht wie von selbst mein Plus. Das wäre, sprichwörtlich, zu schön, um wahr zu sein. Es gibt ja auch eine Vorurteilskritik, die sich etwas darauf einbilden möchte, Klischees zu entlarven. Ein nobles Vorhaben, nur darf man es sich dabei ebenfalls nicht zu einfach machen. Es gilt ja vielmehr und interessanterweise zu zeigen, woher die Bilder kommen, die als Abziehbilder überall herumgereicht und augenblicklich verstanden werden. Werbung und Politik arbeiten unaufhörlich mit Klischees. Wer keine Bilder kreieren kann, ist kommunikativ tot. Welche Bilder es denn sein sollen, darüber geht der Streit. Für die gebildeten Stände ist es interessant, ausgiebig darüber zu reflektieren, welche Bilddarstellungen sie favorisieren und aus welchem Grund. Der Autorität fügen sie sich angegebenermaßen ungern, ziehen ihren Ständestolz aus dem Widerspruchsgeist, den jedwede Macht und Manipulationsversuche ihnen entlocken. Nun, wir werden sehen und haben ja bereits gesehen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.